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Man hörte von harten Kämpfen in Thailand, welche mit solch einer Brutalität ausgetragen wurden, daß Krankenhausaufenthalte der Kämpfer immer schon vorprogrammiert waren. Diverse Berichte von europäischen Journalisten, die an einer seriösen Recherche überhaupt nicht interessiert waren, sondern nur Sensationsberichte im Sinn hatten, sorgten natürlich nicht gerade für einen guten Ruf des Muay-Thai.

Dennoch waren es Sportler wie Thom Harinck aus Holland, Roger Paschy aus Frankreich, Chinawut Sirisompan (Master Woody) aus England und Detlef Türnau aus Deutschland, welche die ersten Schritte unternahmen, um das Muay-Thai auch in ihren Ländern zu etablieren. Sie kann man als die wirklichen Pioniere des Muay-Thai in Europa bezeichnen. Der Holländer Thom Harinck hatte einen Schüler in seiner Amsterdamer Chakuriki Schule, der gute Kontakte nach Thailand unterhielt. Durch diesen Schüler wurde der Grundstein für die Zusammenarbeit zwischen Thom Harinck und dem damaligen Manager des Rajadamnern Stadions, Montri Mongkolsawad, gelegt.

Die Chakuriki Kämpfer hatten zur damaligen Zeit einen sehr guten Ruf im Kick-Boxen und waren sieggewohnt. Man vereinbarte einen Kampf in Bangkok zwischen 5 Chakuriki Champions und 5 Thailändern. Erstmals mußte Thom Harinck einsehen, daß seine Kämpfer völlig chancenlos waren. Sie gingen alle k.o. Von den Techniken und der Kampfkraft des Thais sichtlich beeindruckt, lernte Thom Harinck die Basistechniken des Muay-Thai. Zurück in Amsterdam legte er auch den Grundstein für das europäische Thai-Boxen. Der Muay- Thai Bond Nederland wurde gegründet.

Neue Länder kamen hinzu und man arbeitete sehr eng mit dem Rajadamnern Stadion in Bangkok zusammen. Anfang der 80-er Jahre war es dann soweit. Die World Muay-Thai Association (W.M.T.A.) wurde in Amsterdam gegründet. Führende Funktionäre des thailändischen Lumpini und Rajadamnern Stadions kamen nach Amsterdam, sowie viele Vertreter europäischer
Länder. Die W.M.T.A. war der erste internationale Muay-Thai Verband, welche mit Zustimmung der Thais gegründet wurde. Hierauf folgte die Gründung der European Muay-Thai Association
(E.M.T.A.) ebenfalls in Amsterdam. In ganz Europa hatte die Vertreter der nationalen Thai-Box Verbände natürlich gegen den Widerstand anderer Kampfsportarten anzukämpfen, welche im Thai-Boxen eine Konkurrenz sahen. Aber auch die Behörden machten Probleme, da man nicht erlaubte, nach den originalen thailändischen Regeln in Europa zu
kämpfen. Die E.M.T.A. vereinbarte daraufhin immer Kämpfe, bei welchen Ellbogen- und Knietechniken zum Kopf verboten waren. Selbst die thailändischen Kämpfer, welche in Europa antraten, hatten sich dieser Regelung zu beugen. Schnell verlor man in Thailand das Interesse an Wettkämpfen in Europa, weil die originalen Muay-Thai Regeln nicht eingehalten wurden. Enttäuschung gab es aber auch auf Seiten der Europäer, welche oft thailändische Kämpfer zu ihren Galas eingeladen hatten, aber nie nach Thailand eingeladen wurden. Anfang der 90- er Jahre hörte man in Europa vom Amateur Muay-Thai. Viele Verbandspräsidenten europäischer Länder, zu denen man leider auch Holland und Belgien zählen muß, nahmen das Amateur Muay-Thai nicht ernst. In der Hua Mark Universität in Bangkok wurde erstmals ein Trainerseminar für ausländische Thai-Boxer ausgerichtet, zu welchem Deutschland, Tschechin, Rußland, Ukraine, Litauen und Rumänien ihre Vertreter schickten. Zum Erstaunen aller Teilnehmer konnte man dort wirklich etwas lernen.

Nun waren es aber einige der Gründerländer in
Europa, die versuchten, das Amateur Muay-Thai zu stoppen, da sie es als Konkurrenz ansahen. Daß dieses Bestreben keinen Sinn hatte, merkten die „alten“ sehr schnell. Das Amateur Muay- Thai wurde in Thailand von der Sports Authority of Thailand, dem Department of Physical Education und der National Thai Culture Commission anerkannt und unterstützt. Auch legte man den Inhalt der Ausbildung zum Muay-Thai Trainer fest. Nun mußte jeder Thai-Boxer, welche sich Trainer nennen wollte, offizielle Prüfungen ablegen. Dies paßte natürlich den „alten Thai-Box Trainern“ ganz und gar nicht. “Was sollen wir nach so vielen Jahren noch Prüfungen ablegen, wir wissen doch sowieso Alles über Muay-Thai“ und „Mit Schutzausrüstung kämpfen, ist Sch...........“ waren oft gehörte Aussagen. Im Jahr 1994 wurde die International Amateur Muay-Thai Federation
(I.A.M.T.F) gegründet, die sich sehr schnell über alle Kontinente verbreitete. In Thailand richtete man Weltmeisterschaften aus und bei uns die Europameisterschaften. Heute gehören der I.A.M.T.F. 83 Länder der Erde an und somit ist dieser Verband auch der größte Muay-Thai Verband der Welt. Da Muay-Thai aus dem Profi- und Amateurbereich besteht, mußte natürlich auch etwas für die Profis getan werden. Jahrelang war eine Zusammenarbeit der Profis in Europa und Thailand nicht möglich, da man sich nicht auf einheitliche Regeln einigen konnte. 1998 war es dann aber soweit. Mit der Gründung der European Professional Muay-Thai Federation
(E.P.M.T.F.) hatte man einen internationalen Verband in Europa gegründet, der die volle Unterstützung aus Thailand bekam. Sowohl vom World Muay-Thai Council in Bangkok, als auch von der International Professional Muay-Thai Federation wurde die
E.P.M.T.F. als einziger europäischer Verband anerkannt. 33 Länder in Europa schlossen sich bisher diesem Verband an und man sieht eine Vielzahl von Profi Veranstaltungen.

Als eine der wohl ältesten Vollkontaktkampfkünste konnte das Muay-Thai nur überleben, weil es realistische und leicht zu erlernende Techniken beinhaltete. Wie oft schon mussten sich die thailändischen Soldaten gegen ausländische Aggressoren zur Wehr setzen? Und wie oft haben sie schon bewiesen, dass ihre Selbstverteidungstechniken sehr wirksam waren. Selbst Frauen konnten sich mit diesen Techniken leicht und erfolgreich zur Wehr setzen. Das Muay-Thai Selbstverteidigungssystem beinhaltet Abwehr- und Kontertechniken gegen bewaffnete und unbewaffnete Angreifer. Diese Techniken sind zwar leicht erlernbar, doch bedürfen sie eines ständigen Trainings, um auch im Ernstfall effektiv eingesetzt werden zu können.

Dies bedeutet, dass man nach einem zweiwöchigen Selbst- verteidigungsseminar niemals in der Lage sein wird, einen physisch stärkeren Angreifer erfolgreich abzuwehren. Durch den M.T.B.D. werden regelmäßig Seminare in der Muay-Thai Selbstverteidigung angeboten, welche auch in den angebotenen Sportschulen und Muay-Thai Vereinen trainiert werden können. Gerade aus diesem Grund sollte jeder Interessent darauf achten, daß er sich einer Schule anschließt, die wirklich Mitglied des M.T.B.D. ist, da hier nach den offiziellen Ausbildungsrichtlinien gearbeitet wird

Mittlerweile hat die populäre Kampfsportart auch den Weg in die europäischen Kinos gefunden...

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